Netzwerk-Marketing:
Gemeinsam mehr erreichen

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Kleine und mittelständische Unternehmen sowie B-2-B-Unternehmen müssen im Wettbewerb um Talente und Fachkräfte einen erheblichen Nachteil kompensieren. Gegenüber den weltbekannten Konkurrenten mit Endkundenprodukten, wie Audi, Siemens, Coca-Cola, Roche oder Lufthansa, sind sie im relevant Set der Bewerber meist nicht vorhanden. Nicht, weil diese Unternehmen keine guten Arbeitgeber wären oder keine attraktiven Arbeitsplätze anzubieten hätten, nein, sie werden als potentieller Arbeitgeber schlichtweg nicht berücksichtigt, weil sie kaum jemand kennt.

Während diese Unternehmen im Produktmarkt meist Lieferanten der großen Markenartikler sind und dort „lediglich“ im Wettbewerb mit ihresgleichen stehen, müssen sie sich beim Kampf um die richtigen und wichtigen Mitarbeiter zusätzlich mit eben diesen weltbekannten Markenartiklern messen.

Ganz klar, kleine und mittelständische Unternehmen, B-2-B-Unternehmen und Unternehmen in Familienbesitz bieten ihren Mitarbeitern oftmals andere Vorteile, als die kapitalmarktgetriebenen Großunternehmen. Um sich aber als Bewerber mit diesen Vorteilen auseinanderzusetzen und sich die Frage nach dem „richtigen“ Arbeitgeber zu stellen, muss der Bewerber den potenziellen Arbeitgeber überhaupt erst einmal kennen.

Beispielhaft ist hier die Aussage eines Studierenden der Fahrzeugtechnik von der Hochschule Ostfalia (ehemals Braunschweig-Wolfenbüttel) im Rahmen einer Exkursion zur Automotive Supplier Industry beim Coburger Automobilzulieferer Brose: „Ich habe jetzt erst gesehen, dass ich mich nicht nur bei VW bewerben kann, sondern dass es noch viele andere tolle Firmen gibt, die tolle Jobs haben“.

Personalmarketing im Netzwerk ist ein erfolgreicher Weg für kleine, mittelständische und B-2-B-Unternehmen, um durch die Bündelung von Know How, Ressourcen und kreativem Marketing diesen Wettbewerbsnachteil zu kompensieren und das eigene Employer Branding um einen attraktiven Baustein zu erweitern.

Grundsätzlich dienen Netzwerke dazu, Aktivitäten zu koordinieren und im Verbund gemeinsame Ziele zu verfolgen. Netzwerke können auf unterschiedlichsten Ebenen aufgebaut werden: national, regional, virtuell. Sie können langfristig ausgelegt sein oder nur für bestimmte Projekte geschlossen werden, einen brancheninternen Fokus haben oder branchenübergreifend angelegt sein, vertikal oder horizontal, offen oder geschlossen.

Ein wichtiger Faktor ist, dass die beteiligten Unternehmen hinsichtlich der Personalgewinnung fast immer im Wettbewerb untereinander stehen (vgl. Coopetition: Kombination aus Kooperation und Wettbewerb). Trotz des Wettbewerbs um identische oder zumindest oftmals sehr ähnliche Mitarbeiterprofile können die Netzwerkteilnehmer erhebliche Nutzenvorteile aus der gemeinsamen Arbeit ziehen: Ressourcen können gebündelt und Synergie- und Skaleneffekte erzielt werden. Die Vernetzung in der Region kann zu einer Steigerung der Bekanntheit und der Attraktivität einer gesamten Region führen.

Trotz der klaren Vorteile von Personalmarketing-Netzwerken verhalten sich Unternehmen in Deutschland sehr zurückhaltend bei der Zusammenarbeit mit anderen Marktteilnehmern. Laut der Studie „Talent Management im Mittelstand“ (Ernst & Young, 2012) gehen derzeit nur ein Viertel der Unternehmen eine Kooperation zum Zweck der Personalrekrutierung ein.

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